Krähenpopulation nimmt überhand

Eichenprozessionsspinner und Krähe
Eichenprozessionsspinner und Krähe

Sie krähen scheinbar unentwegt, tauchen in Gruppen auf und stören die restliche Vogelwelt. Die Rabenvögel scheinen überhand zu nehmen. „Plage“, „Krach“ oder „Horror“: Die Wortwahl ihrer Beobachter ist drastisch. Einige Arten, z.B. die Saatkrähe, stehen unter Naturschutz. Es ist verboten, die Tiere zu töten, zu fangen oder ihre Nester während der Brutzeit zu zerstören. In der Folge können sie sich ungehindert vermehren.

Das hat Folgen: War bislang der Fischreiher als Übeltäter ausgemacht, wenn die Goldfische und Kois aus den Gartenteichen verschwanden, so wird vermehrt beobachtet, wie Krähen sich dort bedienen. Erst vor einigen Tagen beobachteten Zweckeler, wie Rabenkrähen ein Amselnest plünderten. Da muss man sich nicht wundern, dass z.B. der Eichenprozessionsspinner kaum noch Fressfeinde hat.

Das natürliche Gleichgewicht stimmt einfach nicht mehr. Der Naturschutz Bund Deutschland sagt zwar, dass sich die Zahl der Rabenvögel kaum gesteigert hat, doch die Vögel würden zunehmend vom Land in die Stadt umsiedeln.

Diese Entwicklung ist menschengemacht: Durch Flurbereinigung, Abholzung und den Einsatz von Bioziden werden die ländlichen Lebensräume der Tiere nach und nach zerstört. In Städten finden die Vögel dagegen ein breites und attraktives Nahrungsangebot. Sie fressen Speisereste aus Mülleimern und picken an achtlos weggeworfenen Burgern und Aas. Fündig werden sie vor allem in Straßennähe – also in Nähe des Menschen. Krähen, die sich an überfahrenen Igeln sattfuttern, dürften jedem Autofahrer bekannt vorkommen.

Das Problem scheint nicht lösbar zu sein. Manfred K., seit Jahrzehnten Hobbyjäger, ist das Problem bekannt. Auch an seinem Gartenteich jagen die Krähen ihre Nahrung. Er beklagt, dass es in der Bevölkerung schlecht ankomme, wenn Rabenvögel bejagt werden. Früher habe man zu bestimmten Zeiten einen Teil der Nester zerstört um die Population im Zaum zu halten.

Bernhard Schregel vom ZBG beklagt zu Recht, dass einige größere Vogelarten wie der Kuckuck immer seltener vorkommen und deshalb weniger Eichenprozessionsspinner ihr Leben als Vogelnahrung lassen müssen. Die Situation wird bestimmt nicht besser, wenn sich Räuber wie Saatkrähe, Elster, Rabenkrähen oder Nebelkrähen ungehindert vermehren. Vielleicht hilft ja die „Ansiedlung“ von Greifvögeln. Im bayerischen Städtchen Meitingen – ebenfalls Krähen-geplagt verbesserte sich die Situation erst als sich ein Greifvogel in ihrem Gebiet breitmachte. Er hält die Tiere fern. Bis heute.

Fotos: Aaron Vowels (lizenzfrei) – Rabe und Kleuske CC BY-SA 3.0 Eichenprozessionsspinner

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