Zur Kurzbaustelle auf der B224 – Lehren für den Stopp der A52

An dieser Eisenbahnbrücke über die Konrad-Adenauer-Allee wird der Umleitungsverkehr für LKW scheitern. Fernverkehrslaster können 4,2 m hoch sein, die Brücke hat aber nur eine Durchfahrthöhe von 3,8 m.

Die Baustelle auf der B224 an den vergangenen Wochenenden beweist, dass der Bau der A52 durch Gladbeck nicht möglich ist. Die Erneuerung der Fahrbahn war nur der Hauch eines Vorgeschmacks auf das Desaster, das die Gladbecker mit dem Bau der A52 zu erleiden hätten.

Die Großbaustelle würde die Gladbecker Zufahrten zu überregionalen Straßen und zu den Zentren der Ruhrstadt blockieren, und zwar nicht nur an vier arbeitsfreien Tagen in der Ferienzeit, sondern sieben Tage pro Woche, rund um die Uhr, für mindestens 10 Jahre.

Prognosen kürzerer Bauzeit sind Schönfärberei zur Beruhigung der Opfer des längst nicht mehr zeitgemäßen Autobahnbaus. Das zeigt die Baustelle an der A43 bei Recklinghausen, die jetzt schon 5 Jahre – Ende offen – den Verkehr auf der A2 erschwert und auf der A43 blockiert, obwohl die Straßenbauer vorab eine Bauzeit von 3 Jahren versprochen hatten. Die A52-Baustelle würde Fahrten von und nach Gladbeck zum Gedulds- und Lotteriespiel machen. Ein Verkehrskonzept, das dies verhindert, haben weder Bund oder Land noch die Stadt Gladbeck in der Schublade. Es wird auch keines geben.

Autor dieses Artikels ist Dipl. Ing. Stephan Müller – Landschaftsarchitekt

Verkehrsumleitungen kaum möglich

Schwerverkehr innerhalb der Stadt umzuleiten, scheitert beispielsweise an der für Lkws zu niedrigen Durchfahrthöhe (3,8 m) der Brücke der Bahnlinie (Gladbeck-Ost – Zweckel) über die Konrad-Adenauer-Allee. Die „Alternative“ mit 40-Tonnern und Gigalinern auf der Buerschen Straße/Humboldtstr. und im Kreisverkehr an der Alten Post über die Postallee wieder zur Konrad-Adenauer-Allee wäre lebensgefährlich für Radfahrer und Fußgänger.

Insgesamt wäre die A52-Baustelle Gift für die Lebensqualität einer ganzen Gladbecker Generation, sie wäre das sichere Aus für viele Mittelständler in Brauck und Geschäfte in der Innenstadt. Die Inbetriebnahme der neuen Autobahn, die auch unverbesserliche A52-Freunde frühestens 2040 erwarten, würde die Lage kaum verbessern. Denn Gladbeck hätte dann statt wie bislang fünf Zufahren zur B224 nur noch zwei (!) Zufahrten /Abfahrten zur bzw. von der A52, –  unmittelbar am „Roten Turm“ und am Wittringer Park. Der innerstädtische Verkehr wäre ein dauerhafter, chaotischer Kampf um gute Plätze im Stau vor der Anschlussstelle.

Die Höhe der Brücke der Zweckeler Str. reicht soeben für den Schwerlastverkehr. 100 Meter weiter ist dann Schluss mit lustig. Die Eisenbahnbrücke hat nur eine Durchfahrthöhe von 3,8 Meter.

Schwerlastverkehr aus der Stadt verbannen

Die Fahrbahnerneuerung zeigt indessen modellhaft, dass die A52 durch Gladbeck nicht erforderlich ist. Man muss nur an der A43 vor dem Kreuz Marl-Nord und an der A2 dauerhaft darauf hinweisen, dass der Fernverkehr auf den bestehenden Autobahnen, also der A43, der A2 und der A42, zu bleiben hat, damit er nicht im Stau auf der Abkürzung durch Gladbeck stecken bleibt. Das wäre ein Umweg von nur fünf bis sieben km, in der Regel Stau frei und schneller. Mit einer Einbeziehung der Gladbecker B224 in die Umweltzone Ruhr könnten Temporeduzierungen und Nachtfahrverbote auf dem Gladbecker Abschnitt angeordnet, wie es auf der B1 in Dortmund schon längst umgesetzt ist. Die nachfolgende Programmierung würde die unnütze Abkürzung durch unsere Stadt schnell aus den Navisystemen verbannen. Und schon bliebe Gladbeck von allen Immissionen des Schwerlast-Fernverkehrs verschont, der heute noch mit täglich tausenden von Großlastern auf internationaler Fahrt durch die Gladbecker Innenstadt donnert, mit immensen Gesundheitsgefahren für ungezählte Menschen durch Lärm, Feinstaub und Stickoxide. Ganz ohne Autobahn könnte der regionale Verkehr einschließlich des Quell- und Zielverkehrs des Industrie-Clusters Marl die B224 ohne Dauerstau befahren.

Klimaschäden abwenden

Wir haben es in unserer Hand. Gladbeck sollte sich endlich konsequent gegen die A52-Planung des Bundes zur Wehr setzen, so wie wir es im Ratsbürgerentscheid mehrheitlich beschlossen haben. Zu spät ist das noch lange nicht. Wenn aber unser Bürgermeister und seine Freunde in der IHK-Autolobby, in der SPD, der CDU und – man glaubt es kaum – bei den Gladbecker Grünen die A52 samt Riesenkreuz mit der A2 weiterhin gegen den erklärten Willen der Gladbecker herbeireden und sogar mitfinanzieren wollen, ist Schlimmes zu befürchten. Angesichts des beträchtlichen Flächenverbrauchs der A52 samt Kreuz mit der A2 mit der Versiegelung wertvoller Gladbecker Freiflächen von mehr als 100 ha (ca. 25 Fussballfelder) verkäme der vom Rat beschlossene „Klimanotstand“ mit seinen Mini-Maßnahmen in Gärten und auf Dächern zur unglaubhaften Alibi-Aktion. Wenn die Stadtpolitik das Klima wirklich schützen will, darf sie neue Straßen nicht mehr zulassen. Die A52 würde den großräumigen Individualverkehr durch Gladbeck erst richtig attraktiv machen und von umweltfreundlichen Alternativen abhalten. Die Gladbecker wären für einen enormen Klimaschaden mit viele tausend Tonnen CO2 im Jahr verantwortlich. Die geschätzten 500 Millionen Euro, die der Bau der A52 durch Gladbeck kosten würde, fehlen für klimaschonende und dringend notwendige Verkehrsprojekte im regionalen Umfeld. Vorschläge dafür gibt es viele, preiswert und nachhaltig: Für die Menschen vor Ort und nicht zu Lasten unserer Stadt, nur um dem internationalen Straßenverkehr ein wenig zu gefallen.

Dipl. Ing. Stephan Müller
Landschaftsarchitekt

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