WAZ verschweigt eigene Kahlschlagpolitik – Merkwürdige Form der Pressefreiheit

Abonnenten der WAZ wundern sich seit Monaten darüber, dass ihre zum Funke Mediengruppe gehörende Tageszeitung des öfteren in abgespeckter Form erscheint. Die Lokalteile mehrerer Städte werden in einer Ausgabe zusammengefasst und gekürzt. Seit einiger Zeit erfährt man dann jeweils „In eigener Sache“, dass gestreikt wird. Warum und in welchem Ausmass gestreikt wird, das verrät die Tageszeitung ihren Lesern nicht. Das Thema wird einfach totgeschwiegen. Diese „Pressefreiheit“ nimmt sich die WAZ einfach heraus.

Auch andere Medien halten sich zurück und verraten nichts über die Hintergründe. Einzig auf der Webseite von Verdi, der zuständigen Gewerkschaft, erfährt man Näheres.

Unter dem 15. März schreibt Verdi hier:

„Hunderte Entlassungen mitten in der Pilotphase von „User First“

Für die 6.000 Mitarbeiter der Funke Mediengruppe ist es ein Kahlschlag, der von vielen bereits befürchtet wurde. Seit vor zehn Jahren rund 300 Redakteure auf einen Schlag ihren Job verloren, sind immer wieder Arbeitsplätze abgebaut worden. Jetzt holt der Konzern mit Hauptsitz in Essen zu einer weiteren Runde aus: Allein in Nordrhein-Westfalen werden erneut mindestens über 300 Stellen gestrichen, von Redakteur*innen, Volontär*innen, Kolleginnen und Kollegen aus dem Druck und dem Anzeigenbereich oder auch Mediengestalter*innen.“

Ver.di am 29.04.2019: WAZ zieht Reporter aus Stadteilen zurück

kressNEWS — Exklusiv am 24.04.2019: Wie Funkes WAZ geschrumpft ist

Viele MitarbeiterInnen der WAZ und der NRZ verlieren ihre Jobs. Die Ausgabe der Westfalenpost (WP) in Warstein wird komplett geschlossen, außerdem sollen 21 der 26 Geschäftsstellen (auch in Gladbeck) verschwinden. Die ersten KollegInnen der Leserläden haben bereits die Kündigungen erhalten. Auch in der Berliner Zentralredaktion müssen 27 Leute (ein Viertel) gehen. Bei der Berliner Morgenpost müssen 24 Mitrbeiter gehen. Dort wurde das Layout ausgelagert und die Kompaktausgabe eingestellt.

Die Streichorgie erstreckt sich über die gesamte Republik und trifft auch mehrere Blätter in Thüringen. Die Zeitungen dort waren lange Zeit die Milchkühe des Konzerns und verfügen immer noch über stabile Auflagen.

Ganz anders im Ruhrgebiet, dort sinken die Auflagen und steigen die Abo-Preise. Leser nehmen auch schlampige Arbeiten wahr. So kommt es vor, dass Personen Aussagen (in Anführungszeichen) zugeschrieben werden, die nie so gefallen und frei erfunden wurden. Qualitativ gute Recherche wird seltener. Das wiederum schlägt sich in der sinkenden Auflage nieder. So kann man sich auch sein eigenes berufliches Grab schaufeln.

Insgesamt ist es sehr bedauerlich, dass guter Journalismus so vor die Hunde geht und die Printausgabe über kurz oder lang der Vergangenheit angehören wird.

5 Kommentare

  1. Ja es geht wohl bergab.
    Über Parteien wird ständig einseitig berichtet und bestimmte Lobbyisten haben hier stets ein offenes Ohr.
    Habe Mal mehrere Wochen jeden Tag genau analysiert.

  2. Unmöglich die WAZ. Man sollte überlegen, die Zeitung abzubestellen, aber damit ist dem Personal ja nicht geholfen. Heute am Montag strotzte die WAZ nur so vom Sport. Es gibt auch Leser, die sich nicht so für Sport interessieren, sondern sich morgens zum Frühstück eine gepflegte Zeitung wünschen.

  3. Die örtliche WAZ geht schon seit Jahren den Bach runter, weil die Qualität einfach nicht mehr stimmt. Täglich ein Drittel angelieferten Hofberichterstattung für den Bürgermeister und das Rathaus schlagen sich in einer Restauflage von ca. 7.000 nieder.
    Was machen die sechs Redakteure eigentlich den ganzen Tag?

  4. Bodo Hombach, Gspusi und Kanzleramtsminister von Gerhard Schröder, die Agenda-Bande, die uns schon Hartz IV einbrockte, war dann (nach Skandal um seinen Mülheimer Hausbau und Zwangsabschied aus dem Bundeskanzleramt) lange Jahre der Geschäfsführer der WAZ-Funke-Gruppe. Er hatte sich im Balkan verspekuliert, die Funke-Gruppe ist dort beim Expansions-Streben unter die Mafia-Räder gefallen, und die Verluste sollen nun in Essen ausgebügelt werden.

  5. Ich habe die WAZ abbestellt. Die interessieren sich nicht für die Probleme Ihrer Lesekunden. Dafür nehmen die viel Geld, um die Meinungen von Stadtsprechern zu verbreiten.

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