Stolpersteine in Zweckel – Poether und Zielasko

Stolpersteine von Franz Zielasko und Bernhard Poether in Gladbeck-Zweckel

Poether und Zielasko:
Zwei Männer leisteten Widerstand

Recht unauffällig stecken in Zweckel zwei „Stolpersteine“ im Boden. Vor dem Haus Redenstrasse 34, einem inzwischen schmuck revovierten ehemaligen Zechenhaus, steckt der Gedenkstein von Franz Zielasko im Gehweg. Und nicht direkt vor dem Haupteingang der Zweckeler Herz-Jesu-Kirche, sondern einige Meter rechts davon, findet man den Messing-Stolperstein von Bernhard Poether (siehe Foto).

Wer waren diese Männer, denen nicht nur diese Erinnerungssteine gewidmet sind, sondern auch Strassen und Gedenksteine? Wohl nicht ohne Grund liegen die nach ihnen benannten Strassen unweit auseinander in einem Neubaugebiet (allerdings in Gladbeck-Ost) zwischen der Buerschestrasse und der B224/A52.

Direkt an der Herz-Jesu-Kirche wird Bernhard Poether gedacht, der während der NS-Zeit Kaplan in Herz-Jesu war.

Doch wer waren diese Männer?

Was sie eint, war ihr Widerstand gegen das Nazi-Regime. Der eine, Bernhard Poether, stellte seine religiöse Überzeugung und seine Gehorsamspflicht gegenüber der Kirche über die Loyalität zum Nazi-Regime, was ihn letztlich das Leben kostete.

Franz Zielasko dagegen war ein aktiver kommunistischer Widerstandskämpfer, der sich in der Sowjetunion ausbilden ließ, um in Deutschland gegen die Nazis zu kämpfen.

Bernhard Poether

Vom 6. August 1936 an war Poether Kaplan in der Gemeinde Herz Jesu in Gladbeck-Zweckel. Am 4. April 1939 wechselte er in die Gemeinde St. Josef in Bottrop.

1906 in Datteln geboren, starb Bernhard Poether im Alter von nur 36 Jahren am 5. August 1942 in Dachau. Der römisch-katholische Priester war bei den Nazis in Ungnade gefallen, weil er sich für die polnische Minderheit im Ruhrgebiet engagierte. Auch wegen kritischer Äußerungen zu politischen Maßnahmen der NS-Regierung wurde er schon 1939 von der Gestapo verhaftet und kam im März 1940 ins KZ Sachsenhausen. Dort saß er ein ganzes Jahr in strenger Einzelhaft im dort berüchtigten Bunker. Im April 1941 wurde er ins KZ Dachau deportiert.

An den Folgen der Folter, der Unterernährung und der Schikanen im KZ Dachau starb er am 5. August 1942. Seine Leiche wurde im Krematorium des KZ Dachau verbrannt.

Seit etwa 2005 erinnern kirchliche Initiativen in Gladbeck und Hiltrup an ihn. In Gladbeck-Zweckel erinnern ein Gedenkstein und ein „Stolperstein“ vor der Herz-Jesu-Kirche an Kaplan Poether.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Bernhard_Poether

Kaplan Poether war ein Opfer der brutalen Naziherrschaft, aber auch ein Opfer der verfehlten Politik der Kirchen mit dem Regime. Damals waren immerhin 98 % der Menschen kirchenzugehörig und wesentlich gläubiger als heute. Hitler wußte die Kirchen geschickt auf seine Seite zu ziehen, indem er beispielsweise die Konkordatsverträge erneuerte. Seine Papst-Besuche taten ein übriges. Die deutsche Kirchenobrigkeit stand auf der Seite des Diktators und unterstützte seine brutalen Machenschaften oder tolerierte sie zumindest. Es gab nur wenige, die wie Poether Widerstand leisteten. Die Katholische Kirche hätte durchaus die Macht gehabt Poether aus den Fängen der NS-Häscher zu befreien.Das hätte aber die von Hitler gewährten Kirchenprivilegien gefährdet. Hier ein informatives Video dazu!

Franz Zielasko

Der Bergmann, geboren am 19. Juli 1896, war zeitlebens ein politischer Mensch. Zunächst wirkte er in der politischen Tarnorganisation, dem Arbeiterradfahrerbund „Solidarität“, bis er dann 1918 in die USPD eintrat. 1920 kämpfte er in der Roten Ruhrarmee. 1922 trat der der SPD bei, die sich mit der USPD zusammen geschlossen hatte, um dann 1926/27 KPD-Mitglied zu werden. 1929 wurde er im Zuge der Weltwirtschaftskrise arbeitslos; nach drei Jahren emigrierte er 1932 in die Sowjetunion. Von dort aus schloss sich Zielasko den Internationalen Brigaden in Spanien an und kämpfte gegen den faschistischen General Francisco Franco.

Während des zweiten Weltkrieges machte er eine 18monatige Ausbildung und Schulung und wurde im März 1943 mit einem Fallschirm hinter die feindlichen Linien gebracht, mit dem Auftrag, in seiner Heimatstadt Gladbeck eine regionale Widerstandsgruppe aufzubauen.

Zielasko schaffte es bis nach Gladbeck und begann seine Arbeit gegen die Nazis. Dabei knüpfte er Kontakte zu Gleichgesinnten in Gelsenkirchen, Herne, Essen, Rheine und Hamm. Doch schon vier Monate später wurde der Gestapo seine Tätigkeit bekannt und eine fieberhafte Jagd begann. Zum Verhängnis wurde ihm, dass er sich um Kontakte zu seinen ehemaligen Kumpel auf der Zeche Zweckel bemühte.

Schon am 7. August 1943 wurde Franz Zielasko von der Gestapo verhaftet. In einer anschließenden Verhaftungswelle kamen zwischen 44 und 56 weitere, als Widerständler verdächtige, ins Gefängnis. Zielasko kam ins Gladbecker Polizeigefängnis, das sich auf der Friedrichstrasse neben dem Amtsgericht befand und in den 70er-Jahren abgerissen wurde. Nach 11 Tagen, am 18. August 1943 wurde er während einer Folter im Gladbecker Gefängnis ermordet. Die Behörden nannten als Todesursache „hochgradige Blutarmut und Gelbsucht“.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Zielasko

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