Schwechater Str. 38 – seit 15 Jahren ein Dauerbrenner!

Fassade der Schrottimmobilie Schwechater Str. 38 in Gladbeck-Rentfort

Dass das seit 15 Jahren leerstehende Hochhaus in Gladbeck-Rentfort (Schwechater Str. 38) möglichst schnell weg soll, darüber sind sich wohl alle Gladbecker einig. Evtl. gibt es noch einen einzelnen Architekten der den Erhalt anmahnt, wenn die Bagger angerollt sind. 😉

Doch was wird den Bürgern eigentlich seit 15 Jahren versprochen? Wie ist die Lage?

Fakt ist, die Gebäude und das Grundstück gehören nicht der Stadt Gladbeck, sondern einer Eigentümergemeinschaft mit einigen Einzelmitgliedern und einer eigens gegründeten Gesellschaft die auf Initiative der Stadt zum Zweck des Abrisses gegründet wurde. Nach jahrelanger Blockade einzelner Eigentümer, haben inzwischen alle dem Abriss zugestimmt. Klar ist, dass alle die ihnen gehörenden Eigentumswohnungen verlieren werden. Und ohne die Verträge im Einzelnen zu kennen behaupte ich mal, dass keiner der Eigentümer bereit ist, sich auch noch an den Abrisskosten zu beteiligen.

Die Kostenschätzungen für den Rückbau/Abriss den Hochhauses, des Geschäftszentrums und der lange stillgelegten Tiefgarage beliefen sich 2013 auf 1,4 Mio. Euro. Im Februar 2018 waren es 4 Mio. Euro und inzwischen spricht man von 5 Mio. Euro. Eine Garantie dafür, dass es bei dieser Summe bleibt, kann niemand geben, denn zu ungewiss sind mögliche „Überraschungseffekte“.

Wie hoch mag der Kaufpreis für das Grundstück sein, wenn die Gebäude entfernt wurden und die Fläche zur Bebauung vorbereitet ist? Bei jetzt zur Verfügung stehenden 1,76 Mio. Euro aus Landesmitteln und einem kleinen städtischen Anteil, bleibt eine Finanzierungslücke für den Abriss von ca. 3,24 Mio. Euro. Würde man diese Summe für das Grundstück bekommen, wäre die Sache geritzt. Die bisherigen Eigentümer gingen zwar leer aus, würden aber nicht weiter belastet. Der Steuerzahler hat dann ja schon 1,76 Mio. Euro dazu geschossen.

Doch die Rechnung scheint nicht aufzugehen, denn der Bürgermeister will in den nächsten Wochen die Fraktionen auf einen höheren Anteil der Stadt „einstimmen“. Für das Grundstück scheint der Investor also keine 3,24 Mio. Euro zahlen zu wollen.

Mit Grundstücksveräußerungen läuft es bei der Stadt eh nicht so rund wie man es sich wünschen würde. Beim Verkauf der Hauptschule-Butendorf hat man auf etwa ein Drittel des Wertes verzichtet. Beim Verkauf der Hauptschule-Zweckel hat der Bieter den Zuschlag bekommen, der rund eine Mio. Euro weniger als der Meistbietende zahlen will. Nicht anders wird es beim Verkauf der Hermannschule im Gladbecker Norden sein. Schon aus der Immobilienanzeige wurde deutlich, dass man nicht den höchstmöglichen Erlös erzielen will.

Bleibt zu hoffen, dass es eine Lösung geben wird, die die Bürger nicht noch weiter belastet.

Hier eine Chronologie des Abrissgedankens.

Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Rentfort
Ende 2005 nahm man in Rentfort ein Projekt von Bund und Ländern auf („Stadtumbau West“), wodurch der Stadtteil an den demografischen Wandel angepasst werden soll. Auch eine Lösung für das Hochhaus Schwechater Straße soll gefunden werden.

17.5.2011  WAZ
Schwechater Straße 38 – das war mal eine gute Adresse. Die GWG ließ das Gebäude Anfang der 70er Jahre bauen. Damals rechnete man im Rathaus noch mit stetig steigenden Einwohnerzahlen, plante und baute folgerichtig in die Höhe statt in die Fläche. Gute Ausstattung, toller Blick über die Stadt: Die 127 Wohnungen waren ruckzuck vermietet, ebenso die Geschäftslokale und Praxen im Schatten des Wohnturms.
Der Anfang vom Ende kam eigentlich schon in den 80er Jahren, obwohl das zunächst niemand bemerkte. Die GWG verkaufte – einige Ladenlokale an die Nutzer, das Gros der Immobilie en bloc. An einen Privatmann, wenn sich Bärbel Rietkötter richtig erinnert. Ihr Mann betrieb schon damals hier seine Zahnarztpraxis. Der neue Eigentümer sorgte mit drastischen Erhöhungen der Nebenkosten für Unruhe in der Mieterschaft und für eine ganze Reihe von Auszügen. Als das Gebäude Anfang der 90er in den Besitz einer Immobiliengesellschaft überging, standen schon 30 Prozent der Wohnungen leer.
2003/2004 wohnten nur noch wenige Menschen im Haus, und viele Wohnungseigentümer kamen ihren Zahlungsverpflichtungen schon lange nicht mehr nach.

18.6.2013 Webseite der Stadt Gladbeck
„Eine Förderung des Abrisses der Schwechater Straße 38 ist auch über das Jahr 2013 hinaus möglich,“ sagt Bürgermeister Ulrich Roland. „Wir stehen im engen Kontakt mit der Eigentümergemeinschaft, um das gemeinsame Ziel, die Beseitigung dieses Schandflecks zu erreichen.

17.12.2013 (Webseite der SPD)
„Die Kostenschätzungen allein für den Rückbau belaufen sich auf ca. 1,4 Millionen Euro, 450 000 Euro würde die öffentliche Hand beisteuern, ca. 50 000 Euro davon die Stadt Gladbeck.“
Zeitplan: 🙂
Nächste Woche findet ein Erörterungstermin mit der Eigentümergemeinschaft zum Rückbaugebot statt. Die planungsrechtlichen Voraussetzungen will die Stadt Gladbeck so schnell wie möglich (bis Sommer 2014) schaffen, für den Abbruch sind dann mindestens sechs Monate zu veranschlagen – eher acht, zumal die Abbruchkonzeption auch etliche Umweltauflagen zu berücksichtigen hat. Wenn 2015 noch mit dem Bau begonnen würde, könnten die Rentforter ab 2016 vielleicht im neuen Geschäftszentrum shoppen gehen?

6.2.2018  WAZ
„Ein Antrag zu Rückbau und Entsorgung der Schrottimmobilie ist gestellt und es gibt einen potenziellen Investor für ein neues Geschäftszentrum.“ Das ist laut Bürgermeister Ulrich Roland der derzeitige Stand beim Hochhaus Schwechater Straße 38.
Die zugesagten Fördermittel des Landes in Höhe von 750 000 Euro nicht aus. Die Gesamtkosten für den Abriss werden mit über vier Millionen Euro veranschlagt.
Ebenso habe die Stadt im Januar 2018 bereits einen Antrag auf Abriss und Entsorgung der Immobilie bei der Unteren Bauaufsichtsbehörde gestellt. Sobald die Genehmigung vorliege und die Finanzierung gesichert sei, könne die Ausschreibung und Vergabe des Abbruchauftrags erfolgen und damit der Rückbau beginnen.

5.8.2018  WAZ
„Noch nie war die Situation so gut wie jetzt“, sagte Bürgermeister Ulrich Roland zur WAZ. Die Abrisskosten werden nicht mehr auf zwei, sondern auf fünf Millionen Euro geschätzt.
Zuletzt war eine Landesförderung von 750 000 Euro avisiert gewesen, benötigt werden aber rund zwei Millionen Euro.
„Sehr positiv“ sei auch das Interesse und die Einstellung des neuen Investors, der für das Abriss- und Neubauvorhaben – auch durch die Vermittlung der Stadt – gewonnen werden konnte.

4.10.2018 Aus einem Bericht über die Gladbecker Schrottimmobilie im Wirtschaftsförderungsausschuss
Schwechater Straße 38
o Bekannter, seriöser Investor
o Einigung mit Alteigentümern
o Neuentwicklung als Nahversorgungszentrum
o Wirtschaftlichkeit angesichts gestiegener Abrisskosten trotz Förderung des Landes noch nicht sichergestellt
o Stadt prüft, wie Wirtschaftlichkeit für Investor erreicht werden kann (z.B. Bürgschaft)

5.12.2018   Zahlen aus einer Vorlage des Wirtschaftsförderungsausschusses
Die CDU Ministerin Scharrenberg hat einen Förderbescheid über 1.004.000 Euro für den Abriss der Schwechater Str. 38 überreicht. Bereits bewilligt waren 703.000 Euro. Die Stadt will 51.000 Euro beisteuern. Insgesamt stehen für den Abriss jetzt 1.76 Mio Euro zur Verfügung.

10.12.2018 Stadtspiegel
Zufriedene SPD: „Die Erfolge in Gladbeck können sich sehen lassen!“
Dagegen entwickelt sich aus der Sicht des Bürgermeisters Rentfort-Nord positiv: „InnovationCity ist gut für die Stadt, der Abriss der Schwechater 38 mit 1,7 Millionen Euro als Zuschuss vom Land macht es möglich, dann geht es da endlich weiter“.

 

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