KITA-Eltern wehren sich gegen die Stadt Gladbeck

Erst aus einer Vorlage zum Jugendhilfeausschuss haben Eltern und ErzieherInnen erfahren, dass der Bewegungskindergarten am Frochtwinkel in Zweckel drei Zusatzcontainer für drei zusätzliche Ü3-Kindergartengruppen erhalten soll. Der Kindergarten ist für 40 Kinder ausgelegt hat aber mit 48 Kindern schon 20 % mehr aufgenommen. Nun sollen noch 75 weitere Kinder hinzu kommen.

Man könnte fast glauben, dass das Jugendamt der Stadt Gladbeck keinen Zugriff auf die Einwohnermeldedaten hat und somit nicht weiß, wie viele Kinder in Gladbeck leben und bald in die Kindergärten gehen. So chaotisch wirkt die Planung.

VertreterInnen des Elternrates und des Fördervereins haben jetzt einen geharnischten Brief an Bürgermeister Roland, den ersten Beigeordneten Weichelt und die Politik geschrieben.

Nachstehend veröffentlicht Die GlaZette diesen Brief:

Sehr geehrter Bürgermeister Roland,
sehr geehrter erster Beigeordneter Weichelt,
sehr geehrter Ausschussvorsitzender Namyslo,
sehr geehrte Damen und Herren,

wir, die Eltern des Bewegungskindergartens Frochtwinkel 28 in Zweckel, wenden uns in großer Sorge an Sie. Wir haben erschrocken von den Planungen der Verwaltung erfahren, die Kinderanzahl an unserem Kindergartenstandort mehr als zu verdoppeln. Aus der Verwaltungsvorlage zum Jugendhilfeausschuss am 18. Juni 2019 haben wir erfahren, dass in Containern drei zusätzliche Ü3-Kindergartengruppen mit zusammen 75 Kindern entstehen sollen.

Wir begrüßen die Anstrengungen der Stadt Gladbeck, weitere Kindergartenplätze in Gladbeck zu schaffen. Wie Sie sicherlich wissen, wird ja bereits aktuell eine Satellitenkindergartengruppe an der ehemaligen Hauptschule Zweckel durch unseren Kindergarten betreut und die Mittagsversorgung durch den Förderverein des Kindergartens sichergestellt. Jedoch bekommen wir Eltern Bauchschmerzen, wenn wir uns vorstellen, dass die Zahl der zu betreuenden Kinder auf einen Schlag von 48 auf 123 ansteigen soll:

· Wie soll die Qualität des bestehenden Kindergartens auch weiterhin gewährleistet werden können? Wird das pädagogische Konzept des Kindergartens, für das wir Eltern uns bewusst entschieden haben, mit Schwerpunkten in Bewegung, gesunder Ernährung und Ausruhphasen erhalten bleiben und auch für die neuen Gruppen Anwendung finden können? Wir glauben nicht!

· Heute werden U3- und Ü3-Kinder in unserer Einrichtung in gemeinsamen Gruppen betreut und auch das Außengelände wird gemeinsam genutzt. Da es ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Kleineren und Größeren gibt, ist das gemeinsame Spiel problemlos möglich. Dieses gesunde Verhältnis würde bei 75 zusätzlichen U3 Kindern gestört. Zudem – ist eine Einrichtung mit zwei Zu- und Ausgängen, insbesondere mit Blick auf die Kleinsten, in Ihren Augen wirklich sinnvoll?

· Die Fläche, auf der die Container aufgestellt werden könnten, ist reich an Grün. Die dort stehenden Bäume sind im Sommer natürliche Schattenspender für die dort spielenden Kinder. Kann eine Stadt im Klimanotstand wirklich auf die Idee kommen, diese Fläche mit Containern zuzubauen?

· Bereits heute ist die Park- und Verkehrssituation im Frochtwinkel schwierig. Direkt nebenan, in dieser auch durch Anwohner vielbeparkten Straße, liegt ja bekanntlich auch noch der Naturkindergarten mit drei weiteren Gruppen. Bereits heute dürfte es in Stoßzeiten für Rettungswagen etc. schwierig sein zügig durch den Frochtwinkel zu fahren. Wie soll das zukünftig werden?

In der Vorlage wird beschrieben, dass weitere Standorte geprüft worden sind. Wäre es nicht sinnvoll eine nachhaltige und langfristige Lösung zu schaffen? Wäre es nicht sinnvoll an der Hermannschule einen neuen, qualitativ anspruchsvollen Kindergarten zu errichten, der auch langfristig Bestand hat. Selbst wenn der Ü3-Bedarf irgendwann abebben sollte, was momentan nicht abzusehen ist, wird es steigenden Bedarf im U3- und U2-Bereich geben. Statt Geld in Provisorien zu stecken, fänden wir es sinnvoll nachhaltig zu agieren!

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Bewegungskindergarten am Frochtwinkel ist eine tolle Einrichtung mit einem ausgereiften pädagogischen Konzept, mit engagierten Mitarbeitern und mit Eltern, die diese Einrichtung gerne unterstützen. Wir haben große Sorge, dass die aktuellen Pläne das Aufgebaute in Gefahr bringen und die Kinder, die Mitarbeiter und uns Eltern überfordern. Wir möchten Sie bitten sehr ernsthafte Anstrengungen zu unternehmen um eine qualitativ bessere Lösung für die Schließung der Versorgungslücke mit Kindergartenplätzen in Gladbeck zu finden! Die Qualität der bestehenden Kindergartenplätze darf nicht gefährdet werden und auch die Qualität in neuen Gruppen sollte zwingend gewährleistet sein – und das nicht nur auf dem Papier.

Mit freundlichen Grüßen

Simone Ferdinand, Anne Koch, Svenja Farin
der Elternrat im Namen der Eltern und Kinder des Bewegungskindergartens Frochtwinkel 28

Michael Launer-Ferdinand, Christian Buschfort, Kerstin Buschfort
der Förderverein Bewegungskita Frochtwinkel 28 e.V. im Namen der Eltern, Kinder und Mitglieder

P.S.: Ihnen sollte auch bekannt sein, dass unser Kindergarten (wie wahrscheinlich alle anderen Kindergärten auch) bereits deutlich überbelegt ist. Eigentlich ist er für 40 Kinder ausgelegt!

1 Kommentar

  1. Bei der Planung von Kindergärten gibt es strenge Vorgaben vor allem was die Zuordnung von Rettungswegen (Feuerwehrzufahrt etc.) und der Bewegungsbereich der Kinder im Zusammenhang mit den Spielgeräten (Fallschutz-, Abstands- und Sicherheitsbereiche)im Außenbereich betrifft. Es ist schwer nachvollziehbar wie bei einer Verdopplung der Kinderzahl die bestehende Einrichtung den geltenden Vorgaben gerecht werden soll. Mit der Aufstellung von Containern mag der Gruppenraum vielleicht rein quantitativ betrachtet der gewünschten Zahl gerecht werden, offenbar wird aber eine mögliche unmittelbare Gefahr der Kinder im Außenbereich in Kauf genommen, denn dass die Verdichtung an tobenden Kindern bei gleichzeitiger Verkleinerung des Außengeländes zu Problemen führen kann, sollte einleuchten.

    Intensiv genutzte Spielbereiche zeichnen sich immer dadurch aus, dass dort kein Grashalm mehr stehen bleibt. Auch da sollte jedem klar sein, dass bei einer Vergrößerung der Kinderzahl der Außenbereich zum Woodstock-Gelände nach jedem Regen mutieren wird.

    Ich hoffe die Verantwortlichen stellen sich dann auch der Verantwortung, wenn sie sehenden Auges die Entscheidung gegen die anerkannten Regeln der Technik treffen.

    Es gibt immer einen zweiten Weg, der vielleicht etwas komplizierter aber dafür mit mehr Weitsicht ist und nicht die bewährte Einrichtung vor Problemen stellt.

    Hier sind noch einige Kenngrößen bezüglich Kindergartengrößen zu finden:
    https://www.google.de/url?q=https://www.lwl.org/lja-download/datei-download2/LJA/RS/RS_TEK/1199960351/1231323750_2/nr61_2008_anlage_Empfehlungen_Raumprogramm.pdf&sa=U&ved=2ahUKEwjF6KP0tI3kAhVwxosKHV99BT8QFjAAegQIARAB&usg=AOvVaw2PW0xLaliYxUNTY3CDLpFg

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