Glosse: Zu den Zeitplänen für die A52 durch Gladbeck

Zu den Zeitplänen für die A52 durch Gladbeck
eine – nicht nur – satirische Glosse
von Matthias Raith

Mit welcher Qualität das Verkehrsministerium NRW seine Vorhersagen für die A52 macht, kann man an einem Anfang 2012 im Rathaus Gladbeck ausgehängten Plakat mit Zeitangaben für Planung und Bau der damals verfolgten drei Abschnitte des A52-Projekts erkennen. Erinnern wir uns: das war unmittelbar vor dem letztendlich für Land und Bürgermeister krachend gescheiterten Ratsbürgerentscheid vom 25.03.2012, zu einem Zeitpunkt also, als es wirklich darauf ankam, die Bürger mit belegbaren Fakten darüber aufzuklären, wie und wann die A52 nördlich der A42 und insbesondere auf Gladbecker Stadtgebiet gebaut werden solle.

Aus heutiger Sicht gleichen die damaligen Aussagen der Landesregierung einem schlecht erzählten Märchen. Der Bau des Bottroper Autobahnabschnitts, auf dem ab 2017 der Verkehr rollen sollte, konnte bis heute nicht begonnen werden. Das seit dafür 2008 laufende Planfeststellungsverfahren – die Antragsunterlagen stammen teilweise noch aus dem letzten Jahrhundert – ist immer noch nicht abgeschlossen. Die weit mehr als 1.000 Einwendungen konnten bis heute nicht erörtert werden. 2019 muss man sich fragen: leben die Betroffenen noch, wohnen sie immer noch dort, von wo sie sich vor mehr als 10 Jahren gemeldet haben, und: welche Rechte werden jungen und zugezogenen Menschen eingeräumt? Selbst wenn die Bezirksregierung einen Planfeststellungsbeschluss erlassen sollte: das in die Jahre gekommene Behördenversagen könnte kein Baurecht begründen, weil es einer gerichtlichen Überprüfung nicht mehr standhalten dürfte.

Auch das „Autobahndreieck“ A52 / A2 sollte, so die damalige regierungsamtliche Prognose aufgrund einer Planfeststellung von 2014 Mitte 2019 fertiggestellt sein, also jetzt. Tatsache ist aber: auf dem Pelkumer Feld wachsen bis auf weiteres Gerste, Kartoffeln und Raps. Die gesetzlich vorgeschriebenen Fristen für das Planfeststellungsverfahrens sind längst abgelaufen. Der für 2015 versprochene Start des Planverfahrens für den besonders kritischen Nordabschnitt vom flugs in „Autobahnkreuz“ umbenannten Knoten mit der A2 bis GE-Buer-West, also für die Querung der Gladbecker Innenstadt, steht bis heute in den Sternen, samt seiner ungelösten Verknüpfung mit den südlichen Abschnitten.

Wenn das so weitergeht, werden wir uns vielleicht noch jahrelang mit der A52 beschäftigen müssen, obwohl sie technisch und finanziell kaum machbar ist, obwohl ihre Fahrtzeitverkürzung für den weiträumigen Verkehr kaum messbar ist und obwohl der Fernverkehr die B224 für den regionalen Personen- und Güterverkehr zwischen Gladbeck, dem Münsterland und dem Kernbereich der Ruhrstadt weiterhin verstopft, ob mit oder ohne A52.

1 Kommentar

  1. Im Zuge der satirischen Freiheit möchte ich mich an die Autobahnbauer richten, die immer noch alte Autobahnen planen 😉

    Liebe Straßenbauer: Lasst euch ruhig Zeit. Eure Zeitpläne bleiben geuldig. Lasst euch nicht durch neue Erkenntnisse beeinflussen. Dass die von citynahem Durchgangsverkehr verursachten Stickoxide und Feinstäube die Lebenszeit der Gladbecker Bürger drastisch verkürzen können, sollte euch nicht kümmern. Dass der gegenüber der B224 verdoppelte Verkehr auf einer A52 Monat für Monat tausende Tonnen unnötiges, enorm klimaschädliches CO2 in die Stadt bringt, was soll’s. Diese Belastung wird ja durch den für Gladbeck ratsamtlich ausgerufenen Klimanotstand samt eigenem Logo neutralisiert, ob mit oder ohne Autobahn.

    Hauptsache für euch sollte bleiben, dass der 1956 abgeschlossen Staatsvertrag mit dem Königreich der Niederlande endlich umgesetzt wird, indem sich die Bundesrepublik Deutschland zum Bau einer durchgehenden A52 vom Münsterland zum holländischen Roermond verpflichtet hat.

    Kleine Anmerkung: Am 1.Januar 2021 (in 16 Monaten) verliert die Landesregierung samt ihrem Straßenbaubetrieb („Straßen NRW“) die Zuständigkeit für Autobahnen und zwar zugunsten einer neuen „Infrastrukturgesellschaft des Bundes“. Ich bin mir sicher: dann beginnt eine neue Zeitrechnung und es wird dann neue Zeitpläne geben – und vielleicht auch endlich neue und aktuelle Einsichten. Alternativ zu dem aus der Zeit gefallenen Projekt „A52 quer durch die Stadt Gladbeck“ sind für den Nord-Süd-Verkehr leicht, schneller und preiswert zu realisieren. Sie brächte endlich nachhaltige Lebensqualität für unsere Stadt.

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