Gladbecker Wahlkampf: Gute Pellets – schlechte Pellets

UTR, Mineralplus, BP, Shell 16.01.2020 Gladbecker Wahlkampf: Gute Pellets - schlechte Pellets ein Kommentar von Ralf Michalowsky Abfallskandale haben in Gladbeck eine lange Tradition. Als Ende der 70er das Gelände der ehemaligen Möllerschächte erschlossen und zum Gewerbegebiet Stollenstrasse wurde, berichtete die örtliche Presse, dass ein Arbeiter bei Ausschachtungsarbeiten mit seinem Gummischutzanzug in eine Brühe geriet, die das Gummi sofort zerfraß. Es kann sein, dass überraschend viele Entsorgungsunternehmen sich deswegen dort niederließen. Der Vorfall könnte den Anlaß gegeben haben. Die Fa. UTR, heute Mineralplus GmbH, zog es auch an die Stollenstrasse. Sie wurde 1990 von Heinz Hölter und Bruno Fechner gegründete. Die Hölter-Idee der Verwertung von Verbrennungsrückständen lebt hier weiter, wenn auch verändert und mit neuen Absatzmärkten. Verändert deshalb schon, weil Hölter es sich seinerzeit einfach machte: er deklarierte die Altlasten in Wertstoffe für den Straßenbau um und verkaufte sie in die Sowjetunion. Der damalige Grüne Umweltminister ließ den Altlastenzug an der NRW-Grenze zu Niedersachen auf offener Strecke stoppen. Hölter geriet bundesweit in die Schlagzeilen.
Rege An- und Ablieferung bei der Minaralplus GMBH

Gladbecker Wahlkampf: Gute Pellets – schlechte Pellets
ein Kommentar von Ralf Michalowsky

Abfallskandale haben in Gladbeck eine lange Tradition. Als Ende der 70er das Gelände der ehemaligen Möllerschächte erschlossen und zum Gewerbegebiet Stollenstrasse wurde, berichtete die örtliche Presse, dass ein Arbeiter bei Ausschachtungsarbeiten mit seinem Gummischutzanzug in eine Brühe geriet, die das Gummi sofort zerfraß. Es kann sein, dass überraschend viele Entsorgungsunternehmen sich deswegen dort niederließen. Der Vorfall könnte den Anlaß gegeben haben.

Die Fa. UTR, heute Mineralplus GmbH, zog es auch an die Stollenstrasse. Sie wurde 1990 von Heinz Hölter und Bruno Fechner gegründete. Die Hölter-Idee der Verwertung von Verbrennungsrückständen lebt hier weiter, wenn auch verändert und mit neuen Absatzmärkten. Verändert deshalb schon, weil Hölter es sich seinerzeit einfach machte: er deklarierte die Altlasten in Wertstoffe für den Straßenbau um und verkaufte sie in die Sowjetunion. Der damalige Grüne Umweltminister ließ den Altlastenzug an der NRW-Grenze zu Niedersachen auf offener Strecke stoppen. Hölter geriet bundesweit in die Schlagzeilen.

Prof. Dr. Dr. Hölter, wie sich der unstudierte Mann nannte, war seinerzeit einer der Hauptspender der Gladbecker SPD. Der damalige Bürgermeister Röken kaufte gar ein Fertighaus von einem Tochterunternehmen der Hölter-Gruppe.

Der Spiegel berichtete schon 1993 kritisch über Hölter und UTR. https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13680730.html

Doch was sich derzeit im Kommunalwahlkampf abspielt ist schon hanebüchen. Der SPD Landratskandidat Hübner hat die Ölpellets aus Raffinerierückständen zu seinem Wahlkampfthema gemacht und focussiert sich dabei auf die Pellets des Shellkonzerns. Die Pellets sind mit Nickel, Schwefel und Vanadium verseucht, bei Shell und bei BP. Hübner: „Shell hat offenbar nichts aus dem Pellets-Skandal bei BP gelernt“. Zu BP in Scholven hält Hübner allerdings die Füße still – im Kraftwerk, das die Pellets aus der benachbarten Raffinerie verbrennt und bei BP selbst arbeiten viele seiner potentiellen Wähler.

Auch die CDU will das Thema wohl für sich aufbereiten, greift aber völlig daneben. Aufgeschreckt von Medieninformationen, dass Abnehmer des Pellet-Materials von Shell nach Angaben des Mineralölkonzerns die Gladbecker Firma Mineralplus gewesen ist – eine Tochterfirma des kommunalen Energiekonzerns Steag. Auf der Website der Mineralplus GmbH steht: „Wir sind spezialisiert auf die Entsorgung von industriellen Abfällen und auf die Produktion von Baustoffen aus Abfällen.“

Da stellen sich dieser Tage doch ernsthaft Anwohner und Nachbarn von Mineralplus hin und skandalisieren angeblich hohe Krebsraten in der Umgebung. Jürgen Zeller, Ober-Senior der CDU, führt die Truppe an, behauptet Anwohner zu sein und stellt einen Zusammenhang zwischen seinem eigenen Lungenkrebs und Mineralplus her. Zeller ist insoweit Fachmann, als er selbst Jahrzehnte in leitender Funktion mit Müll und Abfall sein Brot verdient hat. Das war es dann aber auch, wohnen tut er jedenfalls ganz woanders, kann also nicht zu den möglicherweise Geschädigten zählen.

Zellers CDU rudert denn auch in einem Antrag an den Bürgermeister schon zurück. Unter der Überschrift „Giftige Abfälle in der Baustoffmischanlage der Mineralplus GmbH“ schreibt sie am 14.1.2010 an den Bürgermeister und will den Punkt auf der Tagesordnung der nächsten Ratssitzung haben.
Begründung: „Am 14. Januar 2020 berichtet die WAZ über die Verarbeitung gefährlicher toxischer Stoffe in der Anlage der Firma MineralPlus GmbH in Gladbeck. Auslöser für den WAZ-Artikel sind offenkundig Beobachtungen von Gladbecker Bürgern, die in der Nähe der Anlage wohnen oder ein Gewerbe betreiben.Es wird berichtet, dass im Umfeld der Anlage in mehreren Betrieben Krebserkrankungen aufgetreten sind. Es ist zu fragen, ob die Zahl dieser Erkrankungen signifikant von den Normwerten für derartige Erkrankungen abweichen. Wenn das so sein sollte, muss man weiterhin fragen, ob die Verarbeitung gefährlicher toxischer Stoffe mit diesen Erkrankungen in einem ursächlichen Zusammenhang stehen kann.“….
Im Abspann wird es der CDU dann wohl selbst peinlich: „Der WAZ-Artikel „Giftige Abfälle beunruhigen Nachbarn“ hat auch die CDU-Ratsfraktion beunruhigt. Wir vermuten, dass auch in der Gladbecker Bevölkerung durch den Artikel eine Beunruhigung eingetreten ist. Wir beabsichtigen mit unserem Antrag nicht, diese Beunruhigung weiter zu schüren.“

Na denn!

PS: Für die angebliche Umweltpartei, DIE GRÜNEN, scheint das Ganze wieder mal kein Thema zu sein.

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