Gladbecker SPD nun stramm mit Rechtsdrall

Ein Kommentar von Ralf Michalowsky

Innenminister Reul (CDU) wird sich freuen. Die Gladbeck SPD schwenkt auf seinen Kurs: „Abschied von der Multikulti-Gesellschaft“. Reul greift hart durch, der eigene SPD-Innenminister (bis 2017 Jäger) war dagegen ein Schlappschwanz.

Dieser Rechtsschwenk ist zwar dem Druck aus der AfD geschuldet, doch in der Vergangenheit wurde immer wieder deutlich, wo die SPD steht. Nicht auf der Seite der Schwachen, sondern immer auf der Seite der Wahlberechtigten. Dies wird auch jetzt wieder deutlich. Migranten oder besser Wähler mit Migrationshintergrund sind nach der neuen SPD-Doktrin zu rund 90 % Türken, die man über die Moscheevereine erreicht.

„Ah, der Kümmeltürke kommt“

Als ich vor rund 35 Jahren den ersten Gladbecker Ausländerbeirat per Bürgerantrag durchgesetzt hatte, wurde ich in SPD-Versammlungen regelmäßig mit „Ah, der Kümmeltürke kommt“ begrüßt. Bis zur entscheidenden Ratssitzung hatte die SPD versucht, den Bürgerantrag zu verhindern.

SPD-Mitglieder auf Wahllisten mit Grauen Wölfen

Als dann später der Ausländerbeirat durch den Integrationsrat abgelöst wurde und auch Deutsche für dieses Gremium kandidieren konnten, wurden mehrere Listen gebildet die gegeneinander kandidierten. Es gab eine Liste auf der SPD-Ratsmitglieder zusammen mit Grauen Wölfen kandidierten und eine Liste der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), auf der auch Politiker standen. Der Jusovorsitzende war damals ein Millî Görüş-Mitglied. Auf Grund öffentlichen Drucks zogen zwei Ratsmitglieder ihre Kandidaturen zurück.

Muslimisches Grabfeld kein Thema für die SPD

Vor fast 20 Jahren habe ich eine Initiative zur Einrichtung eines muslimischen Grabfeldes angestoßen. Mit am Tisch saßen CDU, Grüne, beide Kirchen, Moscheevereine. Für die SPD war das kein Thema. Weil Tote eh nicht mehr wählen? 😉

Das neue Geschwurbel der Gladbecker SPD

Und jetzt schwurbeln sie rum. Weil er selbst zu feige ist, schickt MdL Hübner seinen Landtagsmitarbeiter Dunkel vor. In der WAZ argumentiert dieser so: „Im Blick auf die Kommunalwahl 2020 fordert er, dass sich die SPD vor Ort zukünftig „stärker auf den sozialen Zusammenhalt der Stadtgesellschaft“ fokussieren müsse.“ Und weiter: „Deshalb sei es an der Zeit, „sich von der Träumerei einer multikulturellen Gesellschaft zu verabschieden“. Dunkel erhält zum Thema Zustimmung vom SPD-Stadtverbandsvorsitzenden Jens Bennarend und Fraktionschef Michael Hübner. Welch ein Wunder!

Museumsleiter hält an Multikulti fest

Erst vor einer Woche gedachten die Gladbecker der Opfer der Pogromnacht vor 81 Jahren. Alexander Borchard, Leiter des Museums der Stadt Gladbeck, hob am Mahnmal in Wittringen in seiner Rede zum Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft die herausragende Bedeutung von Demokratie und multikulturellem Zusammenleben in der heutigen Gesellschaft hervor. Dieses multikulturelle will die SPD jetzt abschaffen.

Was ist eigentlich eine multikulturelle Gesellschaft

Der Begriff bezeichnet eine Vision einer Gesellschaft innerhalb eines Staates, in der Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, Sprachen, Religionen und Ethnien friedlich zusammenleben. Menschen verschiedener Kulturen können verschiedene Traditionen, Lebensstile und/oder Vorstellungen von Werten und Ethik haben. Dabei impliziert der Begriff der multikulturellen Gesellschaft ein Neben- bzw. Miteinander nach wie vor klar unterscheidbarer Kulturen in einer Gesellschaft und unterscheidet sich insoweit vom Begriff der transkulturellen Gesellschaft, der das Verschwimmen oder gar die Auflösung kultureller Grenzen diagnostiziert.

Was ist daran so verwerflich, dass die Gladbecker SPD eine multikulturelle Gesellschaft nun nicht mehr will?

Betrachtet man das sozialwissenschaftlich, kommt darin zum Ausdruck, dass man den Interessen der Menschen mit Migrationshintergrund, die z.T. schon in der dritten Generation hier leben, gerecht werden will. Zumindest vor der Kommunalwahl 2020. Viele dieser Menschen fürchten, durch neu dazu stoßende Flüchtlinge um ihren erarbeiteten Status. Damit unterscheiden sie sich nicht von AfD-Mitgliedern und vielen ihrer Wähler, die glauben, dass es ihnen durch Flüchtlinge schlechter geht. Diese Gefühle sind allerdings nicht durch harte Fakten belegbar. Gerüchte und Fake-News wie: „Alle Flüchtlinge bekommen 700 Euro Weihnachtsgeld“, werden gern geglaubt und verbreitet.

Daß gerade die SPD in dieser Krise unserer Gesellschaft auf solche Ressentiments einschwenkt, statt wehrhaft dagegen anzukämpfen, ist eine weitere große Enttäuschung und wird die SPD ganz bestimmt nicht retten.

Seit ca. 10 Jahren geistert SPD-Rechtsaußen Sarrazin durch die Medien. Seine Gedankengänge unterscheiden sich nicht von der Abkehr vom Multikulti-Gedanken der Gladbecker SPD.

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