Der Graf, die Löwen und die A52

Wenn Sie die A52 von Marl nach Gladbeck befahren, werden Sie sehen, dass die Autobahn an der Ostseite des BP-Werkes so einen komischen Schlenker macht. Eigentlich unnötig denkt man. Doch der Hintergrund ist handfester Natur.

In den 60er Jahren plante man, die B224/A52 (damals hieß die A52 noch A41) dort nach links abbiegen zu lassen. Die Autobahn sollte nicht durch Gladbeck führen, sondern durch Buer und mitten durch das Gelände des späteren Löwenparks. Dann sollte die Autobahn an die A2 angeschlossen werden.
Alte Pläne siehe hier: http://www.autobahn-online.de/ehem/a41.html

Dass es nicht so kam und wir Gladbecker uns heute mit der A52 quer durch unsere Stadt rumärgern müssen, haben wir dem Grafen von Westerholt zu verdanken. Dem Ruhrgebietsadeligen gefiel es gar nicht, dass eine Autobahn durch seinen Wald geführt werden sollte. Da entwickelte er die Idee des Löwenparks, den er dann 1968 eröffnete: https://www.gelsenkirchener-geschichten.de/wiki/L%C3%B6wenpark

Der Mann kam damit durch. Die Autobahnplanung wurde geändert; sie sollte nun auf der Trasse der B224 durch Gladbeck geführt werden.

Das ist aber nicht die einzige Planung, die zu Lasten Gladbecks nicht realisiert wurde.

o Es sollte in den 70er Jahren eine Verbindung von der A52 (in Höhe Polsums) durch Kirchhellen-Feldhausen bis zur A31 geführt werden. Die Kirchhellener wehrten sich mit Erfolg.

o Die A31 sollte eigentlich über die A2 hinaus weiter bis zur A42 (Emscherschnellweg) gebaut werden. Die Bottroper wehrten sich mit Erfolg.

o Für die A52/B224 war zeitweise eine Umgehung Gladbecks durch die Heege in der Diskussion. Die Gelsenkirchener wehrten sich mit Erfolg.

o In Gladbeck gab es 2012 einen Ratsbürgerentscheid. Die Gladbecker votierten mehrheitlich gegen den Ausbau der B224 zur A52 auf Gladbecker Gebiet. Das hätte ein Erfolg sein können. Doch die Politiker von SPD, CDU, FDP und Grünen fielen der Bevölkerung in den Rücken und forcieren den Autobahnbau weiter durch Gladbeck.

Irgendwie sind die Politiker in anderen Städten schlauer!

2 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Michalowski,

    können Sie bitte Quellen angeben oder mir diese nennen auf die Sie sich berufen? Mir sind diese Planungen für die A52 neu und würde gerne mehr darüber wissen.
    Zum anderen würde ich gerne wissen, welche Argumente die Links Partei gegenüber dem Ausbau der B224 hat, da dieser in meinen Augen dem Standort Gladbeck aus wirtschaftlicher Sicht enorm stärken würde und die bisherigen Anwohner der B224 durch den geplanten Tunnel vom Verkehrslärm geschützt werden von dem veringerten Co2 Ausstoß durch weniger Stau mal ganz abgesehen.

    Vielen Dank im Voraus

    • Sehr geehrter Herr Geesmann,
      die Geschichte mit dem Grafen von Westerholt, der den Bau der A41/ heute A52 verhindert hat, war mir bis Montag, den 13.8.18. auch neu. An dem Tag hat allerdings WDR2 ein Radiofeature über die Gründung des Löwenparks gebracht und den Sohn des Grafen zur Wort kommen lassen. Die alten Verlaufspläne der A41 finden Sie heute noch im Internet hier: http://www.autobahn-online.de/ehem/a41.html. Damals lief ganz Buer (nicht nur der Graf) Sturm gegen die Autobahn.
      Zum derzeitigen Ausbauplan: Die Stadt Gladbeck hat keinen wirtschaftlichen Vorteil durch den Ausbau. Die A52 ist schon heute eine Transitautobahn. Gladbeck hat derzeit Autobahnanschlüsse an der Kirchhellenerstrasse (A31), an der Beisenstrasse (A2), an der B224 (A2) und am Nordring (A52).
      ES mag zwar einen Tunnel(grob)planung geben, aber keine Finanzierungszusage. Bund und Land haben die Vereinbarung nicht unterschrieben, die der Bürgermeister hochhält. Das Original sei übrigens verschwunden und er hält einen „notariell beglaubigte Abschrift“ hoch.
      Das der CO2-Ausstoß geringer wird, wage ich angesichts der Verkehrsprognosen für die Zeit nach dem Ausbau, zu bezweifeln. Der Verkehr soll um 40 % zunehmen.
      Die Geräuschbelastung würde, wenn ein Tunnel gebaut wird, im Tunnelbereich sicher abnehmen, aber an den Enden ist dann die Hölle los.
      Die in bevorzugter Wohnlage angepriesenen hochpreisigen Wohnungen am Roten Turm bekommen die Abgase aus dem Tunnel dann voll mit. Der Tunnel soll so kurz werden, dass die Pflicht zur Entlüftung entfällt. Die Abgase werden durch den Fahrtwind aus dem Tunnel gedrückt.
      Und glauben Sie bitte nicht, dass der Tunnel Gladbeck verbindet. Auf dem Tunnel wird es eine innerstädtische Zubringerstrasse zu den Auf- und Abfahrten an der Landstrasse und an der Schützenstrasse geben. Dabei entstehen zwei neue neuralgische Punkte: an der Landstrasse wird eine Kreuzung oder ein Kreisverkehr entstehen, ebenso an der Horsterstrasse.

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