DAK-Studie: Erkrankungen im Kreis Recklinghausen besonders hoch

Für Sozialforscher kein Geheimnis, doch die WAZ will es nicht wahrhaben.

Die Krankenkasse DAK hat einen Gesundheitsreport 2018 veröffentlicht. Wichtigste Erkenntnis daraus: die Menschen im Kreis Recklinghausen sind häufiger krank als im Landes- und Bundesdurchschnitt. Während der Krankenstand in Land- und Bund bei durchschnittlich 4,1 % liegt, kommt der Kreis Recklinghausen auf 5,2 %. Übersetzt heißt das, dass durchschnittlich 5,2 von 100 bei der DAK Versicherten krank sind. Neben der Auswertung der Krankschreibungen ihrer Versicherten, hat die DAK repräsentativ 5.000 Beschäftigte befragt. Die Studie steht hier zum Download.

Wie allerdings eine Gladbecker Zeitung heute zu der Aussage kommt: „Der Kreis Recklinghausen hat schon seit Jahren so hohe Krankenstände. Warum das so ist, ist wissenschaftlich noch nicht erforscht worden.“

Das zeugt natürlich von völliger Unkenntnis! In ihrer Studie „ARME SIND HÄUFIGER KRANK“, hat die Hans Böckler Stiftung schon 2011 den Zusammenhang von Armut und Krankheit festgestellt. „Von Armut Bedrohte sind häufiger krank und sterben früher. Diesen Befund unterstreicht der neue Datenreport des Statistischen Bundesamtes, der Bundeszentrale für politische Bildung und des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung.“

Das Ergebnis der Studie in Kurzform: „Viele Krankheiten und Beschwerden kommen bei Personen mit geringem Einkommen, einfacher Bildung und niedriger beruflicher Stellung vermehrt vor. Wer mit weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens auskommen muss, leidet im mittleren Lebensalter insbesondere öfter an chronischen Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, Bluthochdruck, Arthrose oder Depressionen. Auch Arbeitslosigkeit geht mit einer schlechteren Gesundheit einher.

Die Studienautoren sehen als Gründe den finanziell engeren Handlungsspielraum und geringeren Lebensstandard. Das Gesundheitsverhalten – wie Tabakkonsum oder sportliche Inaktivität – spiele ebenfalls eine Rolle. Aber auch psychosoziale Belastungen seien von Bedeutung, zum Beispiel Zukunftssorgen oder Ausgrenzungserfahrungen.

Zudem liegt die Lebenserwartung von Männern und Frauen der Armutsrisikogruppe um etwa fünf Jahre unter dem Durchschnitt. Menschen mit sehr hohem Einkommen (mehr als 150 Prozent des Durchschnitts) leben hingegen rund fünf Jahre länger. Bei Männern beträgt die Differenz zwischen Arm und Reich insgesamt fast elf Jahre, bei Frauen beträgt der Unterschied rund acht Jahre.“ Quelle: Böckler Impuls Ausgabe 16/2011 „ARME SIND HÄUFIGER KRANK“

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