Auch in Gladbeck nagt der Onlinehandel am Einzelhandel

Aus der ehemaligen Bäckereiverkaufsstelle Terwellen auf der Friedrichstrasse soll Wohnraum werden. Trotz 1B-Lage hat der Einzelhandel hier kaum noch eine Chance. Die Verkaufsstelle ging allerdings durch einen hausgemachten Konkurs zugrunde.

Forschungsinstitute und die IHK schätzen, dass es in etwa 15 Jahren ein Drittel aller stationären Einzelhandelsbetriebe nicht mehr gibt. Der Trend zum Kauf übers Internet hält unvermindert an. Im letzten Jahr haben die Onlinehändler ihre Umsätze um mehr als 10 % gesteigert.

Jetzt drängen neue Dienste auf dem Markt. Amazon, Metro und viele andere Startups liefern jetzt auch schon Lebensmittel ins Haus. Bisher sind es eher besonders internetaffine Menschen, die sich Getränke und Frischwaren liefern lassen, doch wenn sich der Trend einmal etabliert hat, wird auch die Oma mit dem Tablet und der passenden App Spaß am Einkauf von zu Hause haben.

Dienstleister der Stadtverwaltung, das Stadtteilbüro-Mitte. Früher gab es hier Angelzubehör Messer und Waffen.

Dass die Innenstädte schrumpfen, kann man auch in Gladbeck beobachten. Die gerade aufgepeppte Friedrichstrasse ist dafür ein gutes Beispiel. Mit dem  Betreuungsbüro des Sozialamtes, dem Stadtteilbüro-Mitte (früher Plümmachere – Angelbedarf und Messer), dem Fritz-Lange-Haus für Senioren, der Kinderstube (inzwischen geschlossen) gibt es gleich vier kommunale Einrichtungen auf 150 Metern. Gleich um die Ecke finden wir das Drop-Out, die Drogenberatung der Stadt und an der Ecke zur Lambertistrasse liegt „Anstoss“, für die berufliche Eingliederung Jugendlicher. Das Samen und Gartenzubehörgeschäft an der Ecke Goethestrasse ist einem Sozialkaufhaus gewichen und der Geschenkartikelladen am Anfang der Friedrichstr. steht seit einem Jahr leer.

Arztpraxis statt Radio Rock. Der arabische Allgemeinmediziner zieht Kunden aus dem gesamten Ruhrgebiet an. Die Kompetenz des 70Jährigen hat sich in der arabischen Community rumgesprochen.

Damit nicht genug, der Einzelhändler „Radio Rock“, ein Opfer des Internethandels, ist einer Arztpraxis gewichen und die ehemalige Bäckerei Terwellen wird künftig Wohnraum sein. Letzteres ist eine gute Entscheidung, die Schule machen sollte. Nicht alle Leerstände wird man so umnutzen können, doch da wo es Sinn macht, sollte man es auch tun.

Könnte man besser gestalten! An einer Seite sieht die neue Arztpraxis aus wie ein Hochsicherheitstrakt.

Der Einzelhandel weicht also der Dienstleistung. Städtische Beratungsstellen, Ärzte, Physiotherapeuten etc, werden künftig die Randbereiche der Innenstädte besetzen. Was im Kern der Innenstadt beleibt, sind überwiegend Filialisten wie wir sie jetzt durchgehend in Hoch10 haben.

Den Onlinehandel können wir nicht aufhalten. Es nervt einfach, wenn man etwas kaufen will und selbst im dritten Laden nicht das Passende findet. Da jucken einem die Finger und man greift zur Tastatur. Die Stadtplaner sollten das neue Kaufverhalten akzeptieren und dem sinkenden Bestand an Geschäften Rechnung tragen. Die Randbereiche der Innenstädte müssen so aufgewertet werden, dass die Umwidmung von Verkaufs- und Wohnflächen erfolgreich wird. Mehr Wohnraum wird eh benötigt.

Wenn man dann noch erreichen kann, dass die Masse an Paketzustellern z.B. durch Paketstationen gesenkt wird und der Rest elektrisch fährt, könnte man sich damit besser abfinden.

Wie auch immer, es wird einen tiefgreifenden Wandel geben.

1 Kommentar

  1. Die betonierte Stadt IST UNATTRAKTIV

    Jetzt bei der Hitze zeigt sich, wie negativ die betonierte Innenstadt ist. Bullenhitze auf der Hochstraße und vor der Lambertikirche, weil dort etliche Bäume abgehackt wurden.
    Der Mittelbereich mit ideenlosen Betonklötzen voll gestopft. Jetzt eine einzige Hitzeinsel. Ideenloser gehts nimmer.
    Dafür sind alle Kinderspielgeräte verschwunden. Halt, stopp. Auf der oberen Hochstraße ist ein teures Glockenspiel und auf der Horster Str. ein Gerät, daß kein Kind benutzt. Aber kinderfreundlich? Dafür wurde die dort teuer errichtete Radstellanlage verschrottet, genau wie die früher gut benutzte vor dem Citycenter. Aber, radfahrfreundlich?
    In der Stadt ist kein Blümchen mehr zu sehen, anders in umliegenden Städten, wo viele Gladbecker schon gerne hinfahre. Dafür jede Menge Werbetafeln und Reklameschilder!
    Der voll betonierte Marktplatz ist bald ohne Markt und wurde den Autos geopfert. Trotzdem rufen die Kaufleute nach weiteren Parkplätzen.
    Die haben doch Ihre Betonrollbahn bekommen, von einem Programm, was die Lebenssituation der noch in der Innenstadt lebenden Bürger verbessern sollte.
    Was ist aus den vielen Bürgerideen geworden. Wo sind da die Kümmerer geblieben? Oder, um was kümmern die sich wohl wirklich.
    Da kann man so viele Vorschläge an Parteien oder Verwaltung einreichen wie man will, es gibt nicht mal eine Antwort. Dafür werden WAZ Umfragen gestartet, wie schön es doch alles geworden ist. Die berichtet natürlich auch nichts, um den Stadtsprecher bei Laune zu halten. Man merkt schon, besonders am Ortsteil, daß es keinen Redakteur mehr vor Ort gibt.
    Hier wurde eine einmalige Chance kreativer Stadtgestaltung und Bürgerbeteiligung vertan und viel Fördergeld verbraten.

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